Die Ausbildung in der Schlosserei beim Schloss Bellinghoven wird ebenfalls eingestellt.
Im Rahmen der Maßnahme konnten bislang bis zu 21 Ausbildungsplätze für junge Menschen mit psychischer Erkrankung und Suchtvergangenheit angeboten werden - aktuell in den Gewerken Schlosserei und Schreinerei. Die zuvor ebenfalls angebotene Fahrradwerkstatt musste bereits vor einiger Zeit aus wirtschaftlichen Gründen geschlossen werden. Zum neuen Ausbildungsjahr hört die Caritas ganz auf.
"Wir haben jede Möglichkeit ausgelotet und alle verfügbaren Hebel in Bewegung gesetzt, um die Ausbildung am Standort zu sichern", betont Caritasdirektor Michael Kreuzfelder. "Unsere Mitarbeitenden haben mit viel Herzblut, Professionalität und Erfolg daran gearbeitet, jungen Menschen mit einer Suchterkrankung eine berufliche und persönliche Perspektive zu geben. Umso schwerer fällt uns dieser Schritt - aber wir müssen verantwortungsvoll handeln, auch im Sinne der gesamten Einrichtung und der Menschen, die wir hier begleiten", ergänzt Caritas-Vorstand Thomas Hanschen.
NRW‑Sozialminister Karl‑Josef Laumann und der Landtagsabgeordnete Dr. Günther J. Bergmann hatten den Träger in diesem Prozess über Jahre unterstützt. "An ihrem mangelnden Rückhalt scheitert die Maßnahme nicht. Die Bundesagentur für Arbeit in NRW hat kein ernsthaftes Interesse mehr, diese Art von reha-spezifischer Ausbildung verlässlich zu tragen. Auch andere Anbieter kämpfen mit den gleichen strukturellen Problemen. Diese Förderung für junge Menschen mit psychischer Erkrankung zur Teilhabe am Arbeitsleben ist nicht gewollt."
Für die sechs verbleibenden Auszubildenden sowie die vier Mitarbeitenden erarbeitet die Caritas Oberhausen individuelle Übergangs- und Anschlusslösungen. "Wir sind zuversichtlich, dass das gelingen wird", so Einrichtungsleiter Klaus-Jürgen Monz.
Geschlossen wird ausschließlich die BA‑Ausbildungsmaßnahme, nicht der Standort Schloss Bellinghoven insgesamt. Schloss Bellinghoven bleibt eine zentrale Einrichtung der Eingliederungshilfe mit 30 stationären Wohnplätzen, mehr als 82 begleiteten Menschen insgesamt und rund 50 Mitarbeitenden. Der Verband arbeitet derzeit an einer konzeptionellen Weiterentwicklung des Standortes, um Wohnen, Tagesstruktur und Teilhabeangebote langfristig abzusichern - auch ohne Ausbildung.
Vormals verlässlich vom Landschaftsverband Rheinland getragen, wurde die Ausbildungsmaßnahme ausgerechnet als Folge gesetzlicher Neuregelung der Eingliederungshilfe in NRW zum Ausbildungsstart 2021 in den Rahmen der Bundesagentur für Arbeit (BA) überführt.
Über Schloss Bellinghoven
Schloss Bellinghoven ist eine Komplex-Einrichtung der Eingliederungshilfe. Heute leben in der Wohnreinrichtung 30 junge Menschen mit psychischen Erkrankung und/oder Suchterkrankungen. Viele von den 18- bis zumeist 30-jährigen Bewohnerinnen und Bewohnern sehen hier die letzte Chance, etwas in ihrem Leben zu verändern. Im Schloss bleiben die jungen Menschen im Schnitt eineinhalb Jahre. Neben dem stationären Wohnen gibt es Tagesstruktur, Begleitung und Förderung - immer mit dem Ziel, ein selbstständiges Leben zu führen. Als erste Stufe dahin dienen die Ambulanten Wohngemeinschaften (AWG), sowie das Ambulant Betreute Wohnen (BeWo) in Wohngemeinschaften und in der eigenen Wohnung.